Kloster Magdenau«Damit das Lob Gottes vermehrt werde»
 

Eine Reise durch die Jahrhunderte

Gründung und erste Blütezeit (13. bis 16. Jahrhundert)

Die Geschichte des Klosters Magdenau beginnt im frühen 13. Jahrhundert vor den Toren St. Gallens. Dort, «auf dem Brühl», führte eine Gruppe frommer Frauen – sogenannte Beginen – ein gemeinsames religiöses Leben. Inspiriert von der Spiritualität der Zisterzienser, gründeten sie unter der Leitung ihrer Meisterin Adelheid das Kloster Magdenau und schlossen sich dem Orden an.

  • 1244: Der Ritter Rudolf Giel und seine Frau Gertrud stiften das Kloster und schenken der Gemeinschaft ihre Besitztümer bei der Kirche St. Verena. Die Gründungsurkunde wird am Ostersonntag, dem 3. April 1244, in der Abteikirche St. Gallen ausgestellt.
  • 1250: Papst Innozenz IV. gliedert die Neugründung offiziell in den Zisterzienserorden ein.
  • 1278: Der Bischof von Konstanz weiht die schlichte Klosterkirche mit ihrem kostbaren Chorgestühl ein.

Trotz Widrigkeiten wie Missernten und Kriegen festigte das Kloster in den folgenden Jahrhunderten seine Stellung. Die Reformation brachte jedoch 1529 eine Zäsur: Unter dem Druck der Reformatoren hob die betagte Äbtissin Amalia Giel das Kloster auf; die Schwestern erhielten eine Rente und zerstreuten sich.


Neuanfang und Widerstand (Mitte 16. bis Ende 18. Jahrhundert)

Bereits 1531, nach dem Friedensschluss zwischen Reformierten und Katholiken, erreichte die Magdenauer Klosterfrau Elisabeth Geilinger die Wiedererrichtung des Klosters. Etwa ein Drittel des einstigen Konventes kehrte zurück.

Im 17. Jahrhundert folgte eine wirtschaftliche Blütezeit: Mühlen und Ziegelbrennerei wurden erneuert, die Gebäude prachtvoll erweitert. Dass Magdenau während der Pestwellen 1629 und 1635 verschont blieb, wurde dem gottesfürchtigen Leben der Nonnen zugeschrieben. Doch politische Unruhen blieben eine stete Gefahr:

  • 1712: Während der Toggenburger Wirren besetzen Zürcher Söldner das Kloster. Die Nonnen reagieren diplomatisch, halten die traumatischen Erlebnisse jedoch in einer Klageschrift fest.
  • 1798: Die Auswirkungen der Französischen Revolution erreichen Magdenau. Das Kloster muss seine grundherrlichen Rechte abtreten, bleibt aber als religiöse Gemeinschaft bestehen.

Trotz der Eingliederung in die Gemeinde Degersheim bewahrte Magdenau lange Zeit seine Eigenständigkeit als Pfarr- und Schulgemeinde – zeitweise sogar mit eigener Poststelle.


Erneuerung und soziales Engagement (19. bis Gegenwart)

Das 19. Jahrhundert war von staatlichen Repressionen und zeitweiligen Aufnahmeverboten geprägt. Das Kloster passte sich jedoch an und erschloss sich neue soziale Wirkungsfelder:

  • Bildung & Gesundheit: Von 1856 bis 1923 leiteten die Schwestern eine Handarbeitsschule und führten bis 1883 eine bekannte Apotheke für Kinderleiden.
  • Handwerk: Es entstanden moderne Werkstätten für Buchbinderei und Paramentenstickerei (Herstellung liturgischer Gewänder).
  • Blindenhilfe: Die Schwestern übertrugen wertvolle Bücher in Brailleschrift und organisierten deren Versand in der gesamten deutschsprachigen Schweiz.

1944 trennte sich das Kloster von der Pfarrgemeinde. Die baufällige alte Kirche wurde 1953 durch einen hellen Neubau des Architekten Karl Higi ersetzt. Trotz gesellschaftlicher Umbrüche und Nachwuchsmangels bewahrt die Gemeinschaft bis heute ihre spirituelle Beständigkeit im Wandel der Zeit.


Eugen Gruber: Geschichte des Klosters Magdenau. Ingenbohl 1944.